108 Kata – warum?

108 Kata Crash

108 Kata – warum?

Warum sind wir so bekloppt und machen an einem Samstag für über 3 Stunden 108 Katas beim Karate?

  • Weil der Döner hinterher dann richtig gut schmeckt!
  • Weil es riesig Spaß macht – Danke Josef fürs Mega Training 👊
  • Weil es geht!
  • Um das Jahr 2026 würdig zu begrüßen 🎆

Wer gerne mehr Tiefgang hat: Die Zahl 108 hat in Ostasien – besonders in Japan und China – tiefe spirituelle und kulturelle Bedeutung, die hauptsächlich aus dem Buddhismus stammt:

108 irdische Verlockungen oder Quellen des Leidens, die Menschen von der Erleuchtung abhalten. Unten die Liste (zum Glück ist Spaß haben und Cappucino trinken nicht dabei ☕)*. 

Wer es lieber nerdig-mathematisch mag statt mahnend-religiös:
3 Sinneserfahrungen (Gut, d.h. angenehm; Schlecht, d.h. unangenehm; Neutral, d.h. gleichgültig.)
x 6 Sinne: Tastsinn; Geschmackssinn; Geruchssinn; Sehsinn; Hörsinn; Bewusstsein (Buddhisten betrachten den Geist als sechsten Sinn. Er nimmt Gedankenobjekte wahr.)
x 2 Reaktionen x Ablehnung, Verlangen
x 3 Zeiten: Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart
Daraus ergibt sich 108 Kombinationen als aus  = 3 Sinneserfahrungen × 6 Sinne × 2 Reaktionen × 3 Zeiten.

 Pure Mathematik: 108 = 11 × 2² × 3³ (da grüßt das Universum, mein persönlicher Favorit 🖖. (Die Werte darunter 4 = 11 × 2²  bzw. darüber 27.648 = 11 × 2² × 3³ × 44 wären etwas langweilig, bzw. ein bisschen viel für Sünden, Glockengeläut oder Katas an einem Samstagnachmittag)

Wieder etwas spiritueller, anknüpfend an das eben erleuchtete Universum:
1 = Einheit/Universum
0 = Leere/Nichts (als zentrales buddhistisches Konzept)
8 = Unendlichkeit

In Japan läuten buddhistische Tempel am Silvesterabend (Joya no Kane) genau 108 Mal die Glocke, um diese 108 weltlichen Begierden symbolisch zu reinigen und das neue Jahr rein zu beginnen. In Japan findest du die 108 auch bei Tempelpilgerfahrten, in der Kampfkunst (108 Druckpunkte) und in verschiedenen kulturellen Praktiken. Die Zahl symbolisiert letztlich spirituelle Vollständigkeit und den Weg zur Reinigung. Gebetsketten (Mala/Juzu) haben traditionell 108 Perlen, eine für jede Wiederholung eines Mantras

Also, in unserem Neujahrsritual war unser Mantra das Laufen von 108 Kata, diesmal nicht in Form von 108 Saifa wie sonst. Sondern 30x Gekisai Dai Ichi + 15x Gekisai Dai Ni + 40x Saifa (immerhin…) + 23x Shisoshin. Wir haben fleißig Festungen niedergerissen und Angriffe aus vier Richtungen pulverisiert, jedenfalls so gut wir konnten. Siehe was mein neuer Freund Claude behauptet**

108 KataMan beachte, dass die Kollegin in dem Bildausschnitt unten gleich nach den 108 Kata zum Badminton gehüpft ist, nicht mal Zeit fürs Foto. Beindruckende Energieleistung, auch dass Du es dabei dennoch so elegant aufs Bild geschafft hast:

108 Kata Karate 2026 - Detail

**Missbrauch; Aggression; Ehrgeiz; Wut; Arroganz; Niedertracht; Gotteslästerung; Berechnung; Gefühllosigkeit; Launenhaftigkeit (unbegründete Stimmungs- oder Verhaltensschwankungen); Kritikfreudigkeit (strenge Kritik an anderen); Eitelkeit; Verachtung; Grausamkeit; Fluchen; Erniedrigung; Betrug; Täuschung; Wahnvorstellungen; Spott; Ruhmsucht; Dipsomanie (Alkoholismus, gekennzeichnet durch zeitweise auftretendes Verlangen); Zwietracht; Respektlosigkeit; Unzufriedenheit; Dogmatismus; Dominanz; Machtgier; Unverschämtheit (freches oder unverschämtes Verhalten); Egoismus; Neid; Übermaß; Treulosigkeit; Falschheit; Heimlichtuerei; Spielsucht; Geschwätzigkeit (langweiliges Reden über belanglose Dinge); Völlerei; Gier; Geldgier; [Hegen von] Groll(en); Hartherzigkeit; Hass; Hochmut; Überheblichkeit; Feindseligkeit; Demütigung; Verletzung; Heuchelei; Ignoranz; Herrschsucht (unberechtigt Macht oder Autorität beanspruchen); Betrug (sich als jemand anderes ausgeben, um zu täuschen); Unverschämtheit; Unaufmerksamkeit; Gleichgültigkeit; Undankbarkeit; Unersättlichkeit; Hinterhältigkeit; Intoleranz; Unnachgiebigkeit (sich weigern, seine Meinung zu ändern oder etwas zuzustimmen); Verantwortungslosigkeit; Eifersucht; [ein] Besserwisser sein; Unverständnis; Faulheit; Lüsternheit; Lügen; Boshaftigkeit; Manipulation; Masochismus; Gnadenlosigkeit; Negativität; Besessenheit; Hartnäckigkeit; Unterdrückung; Prahlerei; Pessimismus; Vorurteile; Anmaßung; Heuchelei; Stolz; Verschwendungssucht (Geld ausgeben oder Ressourcen frei und rücksichtslos verbrauchen); Streitsucht; Wut; Habgier (aggressiv gierig oder raffgierig sein); Spott; Sadismus; Sarkasmus; Verführung; Selbstverleugnung; Selbsthass; sexuelle Lust; Schamlosigkeit; Geiz; Sturheit; Quälerei; Tyrannei; Unfreundlichkeit; Ungehorsamkeit; Unnachgiebigkeit; Eitelkeit; Rachsucht; Gewalt; jähzorniges Temperament; Wollust; Zorn

**Gekisai Dai Ichi (撃砕第一) & Gekisai Dai Ni (撃砕第二)

Kanji-Bedeutung:
撃 (geki) = angreifen, schlagen
砕 (sai) = zerbrechen, pulverisieren
第一/第二 (dai ichi/ni) = Nummer eins/zwei

Übersetzungen:
„Attack & Destroy One/Two“ (Angreifen und Zerstören)
„To pulverise“ (Pulverisieren, Zerschmettern)
Im Deutschen: „Festung niederreißen“

Historischer Kontext: Chojun Miyagi entwickelte diese Kata 1940, um Karate für Jugendliche zugänglicher zu machen. Der aggressive Name wurde vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs gewählt.


Saifa (砕破)

Kanji-Bedeutung:
砕 (sai) = zerbrechen, zerschmettern
破 (fa/ha) = zerreißen, brechen

Übersetzungen:
– „Rip and tear“ / „Smash and tear“ (Zerschmettern und Zerreißen)
– „Pound and pulverize“ (Zerstoßen und pulverisieren)
– „Destroying strikes“ / „To tear, to shred, to crush“
– Im Deutschen: „Zerstören und zerreißen“

Anmerkung: Das zweite Kanji wird traditionell „ha“ gelesen, wurde aber durch okinawanischen Einfluss zu „fa“ geändert.


Shisochin (四向戦)

Kanji-Bedeutung:
四 (shi) = vier
向 (so) = Richtung
戦 (chin) = Kampf, Schlacht

Übersetzungen:
– „To destroy in four directions“ (In vier Richtungen zerstören)
– „Four Gates“ oder „Four Directions of Conflict“ (Vier Tore / Vier Kampfrichtungen)
– „Fight in four directions“ (In vier Richtungen kämpfen)
– Alternative deutsche Übersetzung: „Vier kämpfende Affen“ oder „Die Vier Tore“

Tiefere Bedeutung: Das dritte Kanji ist dasselbe wie in Sanchin und Seiyunchin und bedeutet „Schlacht“ oder „Konflikt“, was zu einem tieferen Verständnis der Bedeutung beiträgt.


Gute Quellenlinks:

Die Übersetzungen variieren leicht je nach Interpretation der Kanji-Zeichen, aber die Kernbedeutungen sind gut dokumentiert und konsistent.